Germanwings-Absturz: Wie läuft die juristische Aufarbeitung des Falls?

Zwei Jahre nach dem tragischen Absturz des Germanwings-Flug 9525 geht die juristische Aufarbeitung in die entscheidende Runde. Die Anwälte der Hinterbliebenen gehen in den USA nur noch gegen die ausbildende Flugschule vor und in Deutschland hat die Lufthansa letzte Angebote über ein Schmerzensgeld gemacht. Zeit einen Blick in den US-Prozess zu werfen.


Zwar hat der tragische Absturz des Germanwings-Flug 9525, auch in diesem Blog zu einigen Artikeln beigetragen, aber nach zwei Jahren lohnt es sich, die juristische Aufarbeitung des Falls und insbesondere die Entwicklung des Prozesses in den USA anzuschauen.

Kein höheres Schmerzensgeld für Hinterbliebene

Die Lufthansa selbst hat eine höhere Schmerzensgeldzahlung abgelehnt, der gebotene Betrag beläuft sich nach Medienberichten in der Summe auf 100.000 Euro pro Opfer.  Der Betrag liegt verdächtig nah an den 100.000 SZR (Aktuell 127.050 €) die Art. 21 Absatz 1 des Montrealer Übereinkommens vorsieht, für die ein Luftfahrtunternehmen unzweifelhaft haften muss. Wir bereits ausgeführt, dürften die Hinterbliebenen mit höheren Ansprüchen in Deutschland wohl keine Chance haben.

In den USA wird (nur) gegen die Flugschule der Lufthansa geklagt.

Auch die mit sehr viel Getöse vorgetragene Ankündigung der Anwälte der Hinterbliebenen, man wolle in den USA gegen Lufthansa vorgehen, ist bei näherem Hinsehen in sich zusammengefallen. Man geht nur noch gegen die Flugschule, die den Co-Piloten ausgebildet hat vor.

Die Flugschule, die früher unter dem Namen Airline Training Center, Inc firmierte und im November 2016 in Lufthansa Aviation Training USA Inc umbenannt wurde, ist das einzige Bindeglied, das die US-Anwälte ausfindig machen konnten.

Screenshot von atca.net

Screenshot von atca.net

Wie bereits geschrieben, ist ein Vorgehen gegen Germanwings oder die die Lufthansa selbst wenig erfolgversprechend, so dass man sich lieber auf ein US-Unternehmen einschießt, dessen Zuständigkeit wenigstens gegeben sein könnte.

Bild von Diane Humetewa

Diane Humetewa

Die Klage ist beim Arizona District Court unter „Oto v. Airline Training Center, Inc., CV 16-01027 PHX-DJH“ anhängig und wird unter dem Vorsitz der Richterin Diane Humetewa verhandelt.

Wenn man aber die Flugschule verklagt, an der der Co-Pilot seine Ausbildung gemacht hat, muss man dieser irgendeine Art von Mitschuld an dem Unglück nachweisen. Man darf gespannt sein, ob den Klägern das gelingen wird.

Bei Verfahren vor US-Gerichten kann man relativ unproblematisch einen Einblick in die Gerichtsakten bekommen und sich so auch als Außenstehender einen Einblick in den Stand Verfahren verschaffen. Schaut man sich die verfügbare Übersicht der eingereichten Schriftsätze an, gelangt man bereits zu einigen interessanten Erkenntnissen.

Unter anderem erfährt man, dass die Kläger vom deutschen Jura-Professor Professor Dr. Helmut Grothe unterstützt werden und die Beklagte Flugschule vom deutschen Jura-Professor Prof. Dr. Ansgar Staudinger. Das deutsche Jura-Professoren in US-Prozessen mit Berührung zum deutschen Recht auftreten ist nicht ungewöhnlich, da in der Regel keiner der US-Juristen Kenntnisse vom kontinental-europäischen Recht geschweige denn dem deutschen Recht hat.

Die Beklagte Flugschule hat sich, soweit erkennbar, zunächst auf den common law Grundsatz des forum non conveniens berufen und Klageabweisung beantragt. Dieser Grundsatz aus dem angelsächsischen Rechtskreis besagt, dass sich ein Gericht für unzuständig erklären kann, wenn der Fall so enge Beziehungen zu einem anderen Staat aufweist, dass er besser in jenem Land entscheiden werden soll.

Die Argumente dafür liegen hier auf der Hand, das Unglück passierte in Südfrankreich, die klagenden Hinterbliebenen sind überwiegend Deutsche, der Co-Pilot war Deutscher und sowohl Lufthansa als auch Germanwings sind deutsche Unternehmen, was soll da ein US-Gericht entscheiden?

Aktuell begehrt die beklagte Flugschule ein summary judgment, eine gerichtliche Entscheidung einer Rechtsfrage ohne Jury, über Zuständigkeit des Gerichts. Man wird gespannt sein, wie Richterin Humetewa über die Frage entscheiden wird.

2 Gedanken zu „Germanwings-Absturz: Wie läuft die juristische Aufarbeitung des Falls?

    • Die 100.000 € sind der Betrag den die Lufthansa nach dem oben verlinkten Artikel insgesamt bereit ist zu zahlen.
      Aber ich nehme es mal als Kompliment, wenn das und die leichte Polemik die einzigen Kritikpunkte sind.

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